11.10.11
Verkehrspolitik
Trambeschaffung: Jungfreisinnige fordern Trams ohne Oberleitungen
Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) fällen in den nächsten Wochen den Entscheid über den neuen Tramtyp. Die neuen Trams werden das Basler Stadtbild für lange Zeit prägen, so wie dies die Basler Trams schon seit Jahrzehnten tun. Deshalb ist jetzt der richtige Moment, um auf innovative Lösungen zu setzen und das Stadtbild deutlich aufzuwerten. Die Jungfreisinnigen Basel-Stadt (JFBS) fordern die BVB daher auf, die neuen Trams mit einer Unterflur-Stromversorgung auszurüsten. Zudem ist dem Lärmgequietsche durch die heute verfügbare automatische Schmierung der Schienenflanken zu begegnen. Schliesslich soll diese Gelegenheit genutzt werden, um das Liniennetz endlich zu entflechten und insbesondere die überbeanspruchte Innenstadtroute zu entlasten.
Die Jungfreisinnigen sind der Ansicht, dass die heute bestehenden Oberleitungen das Stadtbild massiv beeinträchtigen und ein erhebliches Optimierungspotenzial besteht. Die Oberleitungen waren bisher als Stromversorgung für den Trambetrieb unvermeidbar. In den letzten Jahren hat sich jedoch eine moderne Technologie entwickelt, um insbesondere das Stadtzentrum vom Wirrwarr aus Stromleitungen und Leitungsmasten zu befreien, die sogenannte „Alimentation par le sol“ (APS).
Beim APS-Unterflursystem sichert die zwischen den Schienen gelegene, 750 Volt führende, Gleitstromschiene das Fortkommen der Trams. Die Gleitstromschienen sind in einzelne stromführende Sektoren, sowie in 3 Meter lange isolierte Abschnitte unterteilt. Wird eine Stromschiene von einem Tram befahren, aktiviert sich automatisch ein codiertes Signal des direkt unter dem Fahrzeug befindlichen Sektors, während die Isolationselemente vorne und hinter dem Tram verhindern, dass Passanten mit dem Strom in Berührung kommen können. Gesteuert wird das System dabei von in den Boden eingelassenen Kontrollboxen. Der Betriebszustand wird so überwacht, dass der gesamte Streckenabschnitt innerhalb von 0,2 Sekunden abgeschaltet werden kann, wenn sich irrtümlicherweise kein Fahrzeug über einem stromführenden Teilstück befindet. Bleibt ein Tram einmal auf einer isolierten Stelle hängen, kann es mit einer Notbatterie bis zum nächsten stromführenden Sektor bewegt werden.
Zusätzlich zu dieser technischen Innovation soll mit einer heute verfügbaren automatischen Schmierung dem störenden Gequietsche in den Schienenkurven effektiv begegnet werden, damit die unangenehme Lärmbeeinträchtigung endlich ein Ende findet. In den Kurven werden mit dieser Technologie die Flanken der Schienen automatisch geschmiert so dass das Tram nicht quietscht.
Schliesslich soll die Umrüstung auf das APS-Unterflursystem zum Anlass genommen werden, das heutige Liniennetz grundlegend zu überdenken. Hierbei ist insbesondere davon Abstand zu nehmen, jede Tramlinie über die heute überbeanspruchte Innenstadtroute zu führen, was ein grosses Klumpenrisiko darstellt. Stattdessen braucht es eine wirksame Entflechtung der Tramlinien, damit der öffentliche Verkehr auch in Zukunft attraktiv und konkurrenzfähig bleibt. Bekannt ist in diesem Zusammenhang, dass die Jungfreisinnigen seit Jahren eine Linienführung über den Petersgraben fordern, um die Attraktivität der Basler Innenstadt zu steigern.
Nach Meinung der Jungfreisinnigen ist die umfassende Trambeschaffung der richtige Zeitpunkt, um die Einführung der APS und die weiteren Massnahmen in die Wege zu leiten. Indem die neuen Trams von Beginn weg mit der entsprechenden Technologie ausgerüstet werden, können Kosten im Vergleich zu einer späteren Aufrüstung eingespart werden. Es lässt sich dadurch eine deutliche Aufwertung des Stadtbildes erreichen. Besonders Plätze wie der Barfüsserplatz, der Centralbahnplatz, der Claraplatz oder der Wettsteinplatz werden mit der neuen Technologie durch eine Öffnung nach oben „aufatmen“ können, wenn keine Trammasten und keine Oberleitungen mehr vorhanden sind. Auch denkmalgeschützte Gebäude werden dadurch besser zur Geltung kommen können.
Die Jungfreisinnigen werden in einem Brief die BVB bitten, die Einführung dieser neuen Technologien zu prüfen. Zugleich werden sie mit einem Vorstoss im Grossen Rat die Regierung bitten, im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten die Einführung von APS und die damit verbundenen Kosten zu prüfen.